Das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht hat sich in den vergangenen zwei Jahren stärker bewegt als in den zwei Jahrzehnten davor. Eine große Reform im Juni 2024 verkürzte die reguläre Aufenthaltsdauer, öffnete die doppelte Staatsbürgerschaft für alle und modernisierte die Regeln für in Deutschland geborene Kinder und für die Gastarbeiter-Generation. Im Oktober 2025 nahm die neue Bundesregierung dann einen einzelnen Baustein dieser Reform wieder zurück: die sogenannte Turbo-Einbürgerung nach drei Jahren. Wenn Sie sich fragen, was 2026 nun für Sie gilt, finden Sie hier den vollständigen Überblick: was sich geändert hat, was geblieben ist und welche Voraussetzungen aktuell gelten — inklusive Checkliste und einer klaren Empfehlung, wann Sie mit der Vorbereitung auf den Einbürgerungstest beginnen sollten.

Die Reform von Juni 2024: Das Fundament, das weiter gilt

Das modernisierte Staatsangehörigkeitsrecht — eine Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes (StAG) — ist seit dem 27. Juni 2024 in Kraft. Seine Kernpunkte gelten auch 2026 unverändert:

Aufenthaltsdauer von 8 auf 5 Jahre verkürzt. Die reguläre Wartezeit für die Einbürgerung sank von acht Jahren rechtmäßigen Aufenthalts auf fünf. Diese eine Änderung hat die Einbürgerung für Hunderttausende um Jahre näher gerückt — und sie gilt 2026 in vollem Umfang weiter. „Einbürgerung nach 5 Jahren” ist damit der neue Normalfall.

Doppelte Staatsbürgerschaft für alle. Vor der Reform mussten die meisten Antragstellenden von außerhalb der EU ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben — für viele ein Ausschlusskriterium. Seit Juni 2024 ist die doppelte oder mehrfache Staatsbürgerschaft für alle erlaubt, unabhängig vom Herkunftsland. Sie behalten Ihren bisherigen Pass, wenn Sie Deutsche oder Deutscher werden. Auch daran hat sich 2026 nichts geändert.

Geburtsortsprinzip erweitert. Kinder ausländischer Eltern, die in Deutschland geboren werden, erhalten die deutsche Staatsangehörigkeit mit der Geburt, wenn mindestens ein Elternteil seit fünf oder mehr Jahren rechtmäßig in Deutschland lebt und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt.

Anerkennung der Gastarbeiter-Generation. Die Reform schuf Erleichterungen für die sogenannte Gastarbeiter-Generation — die in den Nachkriegsjahrzehnten angeworbenen Arbeitskräfte — sowie für die Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter der ehemaligen DDR: Mündliche Deutschkenntnisse genügen, und ein Einbürgerungstest ist für diese Gruppe nicht erforderlich.

Kurz gesagt: Wenn Ihr Wissen über das deutsche Einbürgerungsrecht aus der Zeit vor 2024 stammt, ist das meiste davon — Pass abgeben, acht Jahre warten — schlicht überholt.

Die Rücknahme vom Oktober 2025: Das Ende der Turbo-Einbürgerung

Die Reform von 2024 hatte auch einen beschleunigten Weg eingeführt: die Einbürgerung nach nur drei Jahren bei „besonderen Integrationsleistungen” — typischerweise Deutsch auf C1-Niveau plus herausragendes berufliches oder ehrenamtliches Engagement. Dieser Weg existiert nicht mehr.

Der Bundestag hat die Abschaffung der dreijährigen Turbo-Einbürgerung am 8. Oktober 2025 beschlossen; die Änderung ist seit dem 30. Oktober 2025 in Kraft. Seitdem verkürzen auch außergewöhnliche Integrationsleistungen die reguläre Aufenthaltsdauer von fünf Jahren nicht mehr.

Mindestens genauso wichtig ist, was die Rücknahme nicht geändert hat:

  • Die reguläre Aufenthaltsdauer von 5 Jahren bleibt. Eine Rückkehr zu acht Jahren wurde öffentlich diskutiert — sie kam nicht.
  • Die doppelte Staatsbürgerschaft bleibt für alle erlaubt. Die Rücknahme hat sie nicht angetastet.
  • Die Regeln zum Geburtsortsprinzip für in Deutschland geborene Kinder gelten wie 2024 reformiert weiter.
  • Die Erleichterungen für die Gastarbeiter-Generation bleiben bestehen.
  • Der Ehegatten-Weg (mehr dazu gleich) ist nicht betroffen, weil er auf einer eigenen Rechtsgrundlage beruht.

Falls also eine Schlagzeile Ende 2025 bei Ihnen den vagen Eindruck hinterlassen hat, „die Einbürgerungsreform wurde rückgängig gemacht”: Das zutreffende Bild für 2026 ist deutlich enger. Ein beschleunigter Weg wurde gestrichen — der Rest des neuen Einbürgerungsgesetzes von 2024 steht.

Der Ehegatten-Weg: Weiterhin drei Jahre

Ein Drei-Jahres-Weg zur Einbürgerung besteht weiter, denn er war nie Teil der abgeschafften Turbo-Regelung. Wer mit einer deutschen Staatsbürgerin oder einem deutschen Staatsbürger verheiratet ist (oder in eingetragener Lebenspartnerschaft lebt), kann sich nach drei Jahren rechtmäßigen Aufenthalts in Deutschland einbürgern lassen — vorausgesetzt, die Ehe besteht zum Zeitpunkt des Antrags seit mindestens zwei Jahren. Dieser Weg hat eine eigene Rechtsgrundlage und blieb von der Änderung vom 30. Oktober 2025 unberührt. Alle übrigen Voraussetzungen — Sprache, Test, Lebensunterhalt, Straffreiheit — gelten aber auch hier.

Einbürgerung: Die Voraussetzungen 2026 in der Checkliste

Das brauchen Sie für die reguläre Einbürgerung, Stand August 2026:

VoraussetzungDetails
Aufenthalt5 Jahre rechtmäßiger Aufenthalt (3 Jahre bei mindestens 2 Jahren Ehe mit deutschem Partner)
SpracheDeutsch auf Niveau B1 oder ein anerkannter Nachweis gleichwertiger Kenntnisse
Staatsbürgerliches WissenBestandener Einbürgerungstest oder Leben-in-Deutschland-Test mit mindestens 17 richtigen Antworten — oder eine Befreiung
LebensunterhaltEigenständige Sicherung ohne relevante Sozialleistungen (mit Härtefall-Ausnahmen)
StraffreiheitKeine erheblichen strafrechtlichen Verurteilungen
WerteBekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung; Anerkennung der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands, auch für den Holocaust
DokumenteGültige Identitäts- und Aufenthaltsdokumente
AlterAb 16 Jahren eigenständige Antragstellung möglich
Gebühr255 € pro Erwachsener; 51 € pro miteingebürgertem minderjährigem Kind

Einige dieser Punkte verdienen einen genaueren Blick.

Sprache: Deutsch auf B1. Sie weisen das Niveau mit einem anerkannten B1-Zertifikat nach — oder mit gleichwertigen Nachweisen wie einem deutschen Schulabschluss, einer auf Deutsch abgeschlossenen Berufsausbildung oder einem auf Deutsch absolvierten Studium. B1 bedeutet alltagstaugliches, verständliches Deutsch, keine akademische Perfektion.

Der Einbürgerungstest. Sie müssen den Einbürgerungstest bestehen — den Multiple-Choice-Test des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF): 33 Fragen aus einem offiziellen Katalog von 310, 60 Minuten Zeit, 17 richtige Antworten zum Bestehen, 25 € pro Versuch. Alternativ zählt der Leben-in-Deutschland-Test — die Abschlussprüfung des Orientierungskurses im Integrationskurs — für die Einbürgerung, wenn Sie mindestens 17 richtige Antworten erreichen, denn er nutzt denselben Fragenkatalog. Welcher Test in Ihrer Situation der richtige ist, klärt unser Vergleich von Einbürgerungstest und Leben-in-Deutschland-Test. Es gibt außerdem Befreiungen — etwa bei einem deutschen Schulabschluss, einem deutschen Hochschulabschluss in Rechts-, Sozial-, Politik- oder Verwaltungswissenschaften oder wenn Krankheit, Behinderung oder Alter die Teilnahme unmöglich machen.

Gesicherter Lebensunterhalt. Sie müssen sich und Ihre unterhaltsberechtigten Angehörigen ohne relevante Sozialleistungen versorgen können. Das Gesetz kennt Härtefall-Ausnahmen — etwa für ehemalige Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter oder für Personen, die in 20 der letzten 24 Monate in Vollzeit gearbeitet haben. Ist Ihre Situation ein Grenzfall, holen Sie sich vor dem Antrag Beratung. Der mehrsprachige Ratgeber von Handbook Germany ist eine gute erste Orientierung, und Migrationsberatungsstellen vor Ort prüfen den Einzelfall.

Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Sie bekennen sich zu den Werten des Grundgesetzes — und Sie erkennen die besondere historische Verantwortung Deutschlands an, einschließlich der Verantwortung, die aus dem Holocaust erwächst. Dieses Thema zieht sich seit einigen Jahren mit neuem Gewicht auch durch den Test selbst: Im Frühjahr 2024 wurden zehn Fragen zu jüdischem Leben in Deutschland, Antisemitismus und dem Verhältnis Deutschlands zu Israel in den offiziellen Katalog aufgenommen. Unser Überblick über die 310 offiziellen Fragen und die neuesten Ergänzungen behandelt sie im Detail.

Gebühren. Der Einbürgerungsantrag kostet 255 € pro Erwachsener und 51 € pro minderjährigem Kind, das gemeinsam mit einem Elternteil eingebürgert wird; in bestimmten Fällen sind Gebührenermäßigungen möglich. Die Testgebühr von 25 € pro Versuch kommt separat hinzu.

Wo und wie Sie den Antrag stellen — und wie lange es dauert

Den Antrag stellen Sie bei Ihrer örtlichen Einbürgerungsbehörde — sie ist meist Teil der Stadt- oder Kreisverwaltung —, und einige Bundesländer bieten inzwischen digitale Antragsverfahren an. Die offiziellen Einbürgerungsseiten des BAMF erklären den rechtlichen Rahmen; zuständig für Ihre Akte ist aber immer die Behörde vor Ort.

Bei den Bearbeitungszeiten ist Ehrlichkeit die freundlichste Antwort: Sie variieren je nach Stadt stark und liegen häufig zwischen mehreren Monaten und über einem Jahr. Großstädte mit vielen Anträgen gehören eher zum langsamen Ende. Die Warteschlange können Sie nicht beeinflussen — wohl aber, wie vollständig Ihre Unterlagen am ersten Tag sind. Fehlende Dokumente sind die häufigste selbst verursachte Verzögerung, und die Bescheinigung über den bestandenen Test ist das eine Dokument, das Sie vollständig selbst in der Hand haben.

Was das für Ihre Testvorbereitung bedeutet

Die strategische Konsequenz aus all diesen Rechtsänderungen: Mit dem Ende der Turbo-Einbürgerung steht der Kalender fest — fünf Jahre, oder drei über den Ehegatten-Weg. Der einzige Hebel, den Sie selbst bedienen, ist Ihre Vorbereitung, wenn Ihr Termin kommt.

Die Testbescheinigung verfällt nicht, die 25 € Testgebühr sind im Vergleich zu allem anderen im Verfahren günstig, und die Anmeldung bei der Prüfstelle — in der Regel Ihre örtliche Volkshochschule (VHS) — hat oft eigene Wartezeiten. Es spricht also praktisch nichts dagegen, den Test deutlich vor dem Antrag abzulegen — auch ein Jahr oder mehr im Voraus. Wer wartet, bis die Einbürgerungsbehörde die Bescheinigung anfordert, verliert oft Wochen durch Anmeldefristen — genau dann, wenn es schnell gehen soll. Alle praktischen Schritte finden Sie in unserem Leitfaden zu Anmeldung, Ablauf am Prüfungstag und Ergebnis.

Die Vorbereitung selbst ist gut machbar. Die Bestehensgrenze liegt bei 17 von 33 Punkten, rund neun von zehn Teilnehmenden bestehen beim ersten Versuch, und ein konzentrierter Monat reicht den meisten — einen fertigen 4-Wochen-Lernplan für den Einbürgerungstest haben wir bereits für Sie ausgearbeitet. Das Format können Sie kostenlos mit dem offiziellen Musterfragebogen des BAMF ausprobieren. Für das tägliche Üben deckt die LebenPro-App alle 310 offiziellen Fragen ab — einschließlich der 10 Fragen Ihres Bundeslandes und der Ergänzungen von 2024 — mit Erklärungen, englischen Übersetzungen und Prüfungssimulationen mit Zeitlimit. So können Sie sich gründlich vorbereiten, auch wenn Ihr Deutsch noch auf dem Weg zu B1 ist.

Und falls Sie die fünf Jahre noch nicht erreicht haben: Derselbe Fragenkatalog leistet doppelte Dienste. Als Leben-in-Deutschland-Test am Ende eines Integrationskurses unterstützt er unterwegs Ihren Antrag auf die Niederlassungserlaubnis — diesen Weg erklären wir im Artikel zum Leben-in-Deutschland-Test und der Niederlassungserlaubnis. Erreichen Sie dort mindestens 17 richtige Antworten, müssen Sie den Einbürgerungstest nie separat ablegen.

FAQ

Kann ich 2026 noch nach 3 Jahren eingebürgert werden?

Nur über den Ehegatten-Weg: drei Jahre rechtmäßiger Aufenthalt plus mindestens zwei Jahre Ehe (oder eingetragene Lebenspartnerschaft) mit einer deutschen Staatsbürgerin oder einem deutschen Staatsbürger. Die allgemeine Turbo-Einbürgerung nach drei Jahren bei besonderen Integrationsleistungen wurde per Bundestagsbeschluss vom 8. Oktober 2025 abgeschafft und ist seit dem 30. Oktober 2025 außer Kraft.

Ist die doppelte Staatsbürgerschaft in Deutschland 2026 noch erlaubt?

Ja. Seit dem 27. Juni 2024 ist die doppelte und mehrfache Staatsbürgerschaft für alle Antragstellenden erlaubt, und die Gesetzesänderung vom Oktober 2025 hat daran nichts geändert. Sie müssen Ihre bisherige Staatsangehörigkeit bei der Einbürgerung nicht aufgeben.

Welches Sprachniveau brauche ich für die Einbürgerung?

Deutsch auf Niveau B1, nachgewiesen durch ein anerkanntes Zertifikat oder gleichwertige Nachweise wie einen deutschen Schulabschluss, eine deutschsprachige Berufsausbildung oder ein deutschsprachiges Studium. Für die Gastarbeiter-Generation gelten Sonderregeln: Hier genügen mündliche Deutschkenntnisse.

Was kostet die Einbürgerung 2026?

Die Antragsgebühr beträgt 255 € pro Erwachsener und 51 € pro minderjährigem Kind, das mit einem Elternteil eingebürgert wird; Ermäßigungen sind in bestimmten Fällen möglich. Der Einbürgerungstest kostet 25 € pro Versuch, und gegebenenfalls kommen Kosten für ein Sprachzertifikat hinzu.

Wie lange dauert das Einbürgerungsverfahren?

Das variiert je nach Stadt stark — häufig mehrere Monate bis über ein Jahr ab Einreichung eines vollständigen Antrags. Die Behörde können Sie nicht beschleunigen. Aber ein von Anfang an vollständiger Antrag, inklusive Testbescheinigung, erspart Ihnen die häufigsten Verzögerungen.

Wenn die Einbürgerung auf Ihrem Weg liegt: Der Test ist die eine Voraussetzung, die Sie noch diesen Monat abschließen können. Laden Sie LebenPro auf lebenpro.de herunter und üben Sie alle 310 offiziellen Fragen mit Erklärungen, den Fragen Ihres Bundeslandes und realistischen Prüfungssimulationen — damit Ihre Bescheinigung längst bereitliegt, wenn die Einbürgerungsbehörde danach fragt.